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Frauenfiguren in Kirchen des Kannenbäckerlandes

Frauenfiguren in Kirchen des Kannenbäckerlandes
Frauenfiguren in Kirchen des Kannenbäckerlandes
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Frauenfiguren tauchen in einigen Kirchen des Kannenbäckerlandes auf

Die Rolle der Frau in der katholischen Kirche wird seit einigen Monaten u.a. durch die Aktionen der Bewegung „Maria 2.0“ wieder mehr als bisher in größeren Teilen der – nicht nur kirchlichen- Öffentlichkeit diskutiert.

Angeregt durch die Anstöße der Bewegung „Maria 2.0“ haben sich auch in der katholischen Pfarrei Sankt Peter und Paul im Kannenbäckerland am Thema Interessierte bereits mehrmals getroffen - Frauen und Männer und nicht nur Katholiken. Das Gespräch über und das Gebet für eine geschwisterliche Kirche dürfe nach Meinung der Gruppe nicht nachlassen. Besonders die Frage nach der Öffnung des Priesteramtes für Frauen steht dabei immer wieder im Fokus. Eine Idee der Gruppe wird nun Realität: In einigen Kirchen der katholischen Pfarrei werden in der nächsten Zeit lebensgroße Frauenfiguren auftauchen für die einzelne Mitglieder der Gruppe verantwortlich sind und von ihnen -oft in Teamarbeit- geschaffen wurden. Sie sollen nach Wunsch ihrer Gestalter zum einen als eine Art Stellvertreterinnen für von der Kirche enttäuschte Frauen anwesend sein, die schon lange die katholische Kirche innerlich oder äußerlich verlassen haben. Ein Grund: Die Amtsstrukturen sind nicht offen für Frauen. Kirche wird deshalb als rückständig erlebt. Die Frauenfiguren können aber gleichzeitig auch für viele engagierte Frauen in christlichen Gemeinschaften stehen, die in der Nachfolge von Jesus ihren Glauben überzeugend vor Ort leben.  Weiterhin wollen die Frauengestalten aber auch einladen, über die Umsetzung einer geschwisterlichen Kirche nachzudenken. Die Gruppe ist sich einig: Auch das Priestertum der Frau wird nicht alle Probleme der Kirche und der Welt lösen. Es ist aber unverzichtbar, dass Männer und Frauen gemeinsam Herausforderungen der Zukunft angehen und zwar auf Augenhöhe, in gleicher Würde unter Ausschöpfung ihrer verschiedenen Charismen unabhängig von ihrem Geschlecht.

Den Initiatoren ist es wichtig, zu betonen, dass Gottesdienstbesucher und Kirchenleitung nicht mit dieser Aktion provoziert werden sollen, auch „Streik“ ist nicht das Mittel, welches sich die Gruppe im Gesamten z.Zt. als Ziel gesetzt hat. Vielmehr geht es der Gruppe, die offen für neue Mitmacher/-innen ist, um Information, Gedankenanregung, Gespräch und Gebet. 

Vielerlei Impulse begleiten die Frauenfiguren. Aus dem Beitrag „frauenfragen“ von Pater Andreas Knapp etwa aufwirbelnde Sätze wie „wenn eine frau das WORT geboren hat – warum sollten frauen dann das wort nicht von der kanzel künden? wenn eine frau die füße jesu küsste – warum sollten frauen dann den altar nicht küssen können?  Auch Stellungnahmen von Bischöfen im Zusammenhang mit den von der Bewegung Maria 2.0 aufgeworfenen Fragen sind den Frauenfiguren beigefügt. So wird Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Bischofskonferenz, zitiert: „Der Eindruck, dass die Kirche, wenn es um die Macht geht, letztlich eine Männerkirche ist, muss hier im Vatikan überwunden werden. Sonst werden die jungen Frauen bei uns keine wirkliche Gestaltungsmöglichkeit finden. (aus „frau und mutter“ Nr. 07.08/19.) Einigen Frauenfiguren ist auch ein Buch mitgegeben „Endlich Priesterin sein“ von Jaqueline Straub (Ein Interview mit ihr war in Westerwälder-Zeitung vom 29.06.19 zu lesen). Jaqueline Straub, geb. 1990, ist Theologin und bemüht sich seit vielen Jahren um die Anerkennung ihrer Berufung zur Priesterin durch die römisch-katholische Kirche. In ihrem Buch findet sich auch ein Zitat von Papst Franziskus: „Der Heilige Geist ist für uns eine Belästigung. Er bewegt uns, er lässt uns unterwegs sein. Er drängt die Kirche weiterzugehen.“ Zu guter Letzt findet sich hier auch ein Artikel in der die Diözesanvorsitzende von Rottenburg-Stuttgart und „Maria 2.0 Aktivistin“, Karin Walter“ versichert: „Wir wollen keine Glaubensinhalte verändern…“(aus: engagiert, KDFB 8+9/2019)

Die Gruppe, die offen ist für jeden am Thema Interessierten, lädt zu ihrem nächsten Treffen am Mo, 28.10.19 um 19.15 Uhr in das katholische Pfarrheim in der Kirchstraße 16 in Nauort ein. 

Einige Impulse der Ausstellung: 

Jacqueline Straub in ihrem Buch „Endlich Priesterin sein“ S.95:

Die Sehnsucht, Priesterin zu werden, ist ein Bedürfnis, das so dringend ist wie Hunger und Durst. Ich sehne mich nicht nach Macht, sondern ich möchte einfach dienen.

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Jacqueline Straub in ihrem Buch „Endlich Priesterin sein“ S.109: 

Papst Franziskus als Bischof von Rom hat den Schlüssel, diese Türe wieder zu öffnen. Sie kann eines Tages wieder geöffnet werden.

(Zusammenhang: 29. Juli 2013 Frauen dürfen auch in Zukunft nicht Priesterinnen in der katholischen Kirche werden: «Diese Tür ist geschlossen», sagte Papst Franziskus auf dem Rückflug von Brasilien vom 28. Weltjugendtag vor Journalisten.)

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„Auch das Priestertum der Frau wird nicht alle Probleme der Kirche und der Welt lösen. Es ist aber unverzichtbar, dass Männer und Frauen gemeinsam die Herausforderung der Zukunft angehen und zwar auf Augenhöhe, in gleicher Würde unter Ausschöpfung ihrer verschiedenen Charismen unabhängig von ihrem Geschlecht.“

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Auch Frauen können in den sakramentalen priesterlichen Dienst in der Nachfolge Jesu berufen sein. Dieses Erkennen stellt sich nicht gegen die bisher vom Heiligen Geist geführte Geschichte der Kirche. Sie ist ein Schritt im Fortschreiten der Heilgeschichte zwischen Christus und seiner Kirche. Und wäre keine einzige Frau in der 2000jährigen Geschichte des Christentums Christin geworden, sondern nur Männer. Diese Aussage würde sich nicht ändern. Die Sozialgestalt der Kirche ändert sich durch die Zeiten. Sie wird u.a. mitbestimmt durch die Sozialgestalt der jeweils herrschenden weltlichen Gesellschaftsordnungen. Die Kirche als pilgerndes Gottesvolk jedoch, wird genährt durch die Sakramente. Ihre Verfasstheit leitet sich aus ihnen her. Die Kirche lebt durch ihre Sakramente, nicht durch die von Männern verwalteten Sakramente.“

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Jesus: „Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt!“ (!)…(Matthäus Evangelium 23, 37ff)   Jesus vergleicht sich hier symbolhaft (!) mit einem weiblichen (!) Tier....

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Statistisches (2013)

Katholiken auf der Welt: ca. 1.253.926.000, 17 % der Weltbevölkerung,

Priester weltweit: 415.348; Bischöfe: ca. 5.200

Ordensmänner: ca. 56.000 (inkl.Säkularinstitute), Ordensfrauen: ca. 700.000  (inkl.Säkularinstitute)

 

Advensgruß Kohlgraf, Bischof von Mainz, 2017: In unseren Gemeinden, Gemeinschaften, Klöstern und vielen anderen Orten begegnen wir unserer lebendigen Tradition. Nun geht es nicht darum, die Asche weiterzugeben, sondern die Glut neu zu entfachen, die durchaus da ist. Wir erfinden auch heute die Kirche nicht neu, aber wir müssen eine Haltung der Aufmerksamkeit einüben, die uns erkennen lässt, worin heute der Auftrag der Kirche besteht…

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weitere Impulse in der Ausstellung und demnächst auf dieser Seite...