26.02.2026
Besuch aus PeriPeri 2025
40 Jahre Partnerschaft mit Periperi
Manche Ereignisse eines Jahres tragen so viel Geschichte, Begegnung und Emotion in sich, dass sie weit über einen normalen Rückblick hinausgehen. Der Besuch unserer brasilianischen Freunde im Sommer 2025 gehört ohne Zweifel dazu.
Von der Einladung bis zur Ankunft
Im Februar konnten wir – dank einer großzügigen Spende eines inzwischen verstorbenen Gemeindemitglieds – offiziell drei Freunde aus Periperi zu uns nach Höhr-Grenzhausen einladen. Schon da war klar: Das wird mehr als ein Besuch.
Im April stand dann fest, wer kommt: Padre Jucimário, Sônia von der Grupo Liberdade Já, die in Periperi die Beschulungsprojekte trägt, und Silvia aus der Gemeinde São Francisco, die sich dort um die Cestas Básicas kümmert. Menschen also, bei denen sich zeigte, dass Partnerschaft nicht nur aus Kontakten besteht, sondern vor allem dort wächst, wo man sich wirklich begegnet.
Schon vorher waren Benedito und seine Familie angereist – auch das typisch für diese Partnerschaft: Offizielles und Privates lassen sich kaum trennen, weil beides zusammengehört.
Der eigentliche Besuch vom 27. Juni bis 15. Juli begann dann… brasilianisch-chaotisch. Beim Zwischenstopp in São Paulo wurde die Reisegruppe getrennt. So stand am Frankfurter Flughafen plötzlich nur Padre Jucimário da – allein, freundlich lächelnd, und ohne seine Mitreisenden. Der Hirte hatte seine Schäfchen verloren!
Mit dem PePa-Mobil, das uns in den kommenden Wochen treue Dienste leisten sollte, ging es für ihn zunächst nach Kammerforst, wo die Gruppe für 18 Tage ihr Basislager hatte. Dank moderner Technik blieben wir mit Sônia und Silvia in Kontakt und Nach über 25 Stunden Reise trafen auch sie schließlich in Frankfurt ein – doch selbst da war die Anspannung noch nicht vorbei: Sônias Koffer war irgendwo auf der Welt verloren gegangen. Nachdem
Auf private Initiative reiste Luiza, die Schwester von Padre Oliveira, mit an. Sie war während ihres Aufenthalts bei ihrer Nichte Juliana in Koblenz untergebracht, die inzwischen mit einem ehemaligen Lehrer des Gymnasiums im Kannenbäckerland verheiratet ist.
Bereits im Vorfeld waren weitere Gäste aus Brasilien angereist. Benedito kam gemeinsam mit seiner Familie – seinem Bruder Carlinhos, seiner Schwägerin Lana sowie seiner Nichte Maria und seinem Neffen João.
Einstimmen auf ein besonderes Fest
Der 28. Juni war geprägt von Vorfreude und Betriebsamkeit. Kirche und Pfarrzentrum wurden vorbereitet, Kabel verlegt, Dinge umgestellt, Listen abgearbeitet – alles mit dem Wissen: Morgen wird ein besonderer Tag.
Und besonders war er gleich dreifach: Patrozinium St. Peter und Paul, 40 Jahre Partnerschaft mit Periperi und 120 Jahre Pfarrkirche in Höhr-Grenzhausen. Viel Geschichte – und an diesem Wochenende auch sehr viel Gegenwart.
Ein Sonntag voller Leben
Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Der 29. Juni begann, dank der vielen helfenden Hände am Tag zuvor, entspannt. Beim gemeinsamen Frühstück am Pfarrzentrum saßen die brasilianischen Gäste mitten unter uns – nicht als Ehrengäste auf Abstand, sondern ganz selbstverständlich dabei. Es war Teil eines gemeinschaftsfördernden Projekts „Höhr frühstückt!“ der VG Höhr-Grenzhausen, und genauso fühlte es sich an: wie Nachbarschaft.
Der anschließende Festgottesdienst war wahrlich etwas Besonderes. Zelebriert von unserem ehemaligen Pfarrer Much, getragen vom virtuosen Orgelspiel von Rolf Schwickert, das in diesem Gottesdienst als „Mittler zwischen den Welten“ fungierte: Der Kirchenchor mit der Besinnlichkeit und Erhabenheit, die unseren Festgottesdienste hierzulande ausmachen auf der einen Seite; auf der anderen Seite brachte eine spontan zusammengestellte internationale Ad-hoc-Band das Gefühl brasilianischer Gottesdienste nach Höhr-Grenzhausen: stets rhythmusorientiert und voller Lebensfreude und gemeinsam erlebter Energie.
Dass Herr Schwickert von David Stahl an der Querflöte begleitet wurde, rundete die Symbolik ab: David nahm 2005 am ersten Jugendaustausch zwischen den Gemeinden teil.
In seiner Predigt stellte Pfarrer Much die Verbindung von Weltkirche, Solidarität, lokalen Werten, Traditionen und Geschichte eindrucksvoll heraus – eine Verbindung, die an diesem Tag lebendig wurde.
Direkt im Anschluss lud die Eine-Welt-Gruppe zur Festa Junina ein, angelehnt an die lange Tradition des Johannisfests in Höhr-Grenzhausen und gefeiert in Solidarität mit unseren Schwestern und Brüdern in Periperi, wie wir es lange nicht erlebt hatten:
Mit Livemusik, jahreszeittypischer brasilianischer Musik, Feijoada und Caipirinha – aber ebenso mit deutscher Bratwurst und Kartoffelsalat. Aus eigener Erfahrung lässt sich sagen: Die Liebe zum Grillen ist vielleicht die größte Gemeinsamkeit der deutschen und brasilianischen Kultur.
Ein besonderer Höhepunkt war die spontan entstehende Quadrilha im Pfarrzentrum, die sich zunehmend ordnete und schließlich auf den Vorplatz verlagerte. Sônia griff zum Mikrofon, leitete an, die Band reagierte spontan. Ein Sinnbild brasilianischer Lebensfreude und Spontaneität: die Dinge nehmen, wie sie kommen – und für einen Moment waren Hunger, weltpolitische Spannungen und Unsicherheiten ganz weit weg.
Tage voller Begegnungen
Auch die folgenden Tage waren reich gefüllt – aber nie überfrachtet. Eine Bootsfahrt auf Rhein und Mosel. Ein Töpferkurs im Café Libre, bei dem fast zwei Stunden kaum gesprochen wurde, dafür umso konzentrierter gearbeitet – und kleine Kunstwerke für zuhause entstanden. Frühstück an der B-05, ein Orgelkonzert in Marienstatt, die Seilbahn in Koblenz, das Backesfest in Kammerforst, eine Tour durch alle Kirchen unserer Pfarrei inkl. Mini-Führungen.
Bei hochsommerlichen Temperaturen wurde es selbst unseren brasilianischen Gästen manchmal zu viel und geplante Ausflüge spontan abgesagt – stattdessen genoss man lieber das Hier-und-Jetzt und das Beisammensein.
Dank an besondere Unterstützer
Ein solcher Besuch wäre ohne engagierte Menschen nicht möglich gewesen. Unser besonderer Dank gilt:
Rolf Schwickert, unserem langjährigen Organisten, der immer wieder mit außergewöhnlicher musikalischer Qualität Gottesdienste in Orgelkonzerte verwandelt. In intensiver Vorbereitung lies er mir jeden musikalischen Wunsch von den Lippen ab, setzte er brasilianische Melodien und Klänge sensibel um, integrierte den Kirchenchor und schuf so – begleitet von David Stahl - eine einzigartige musikalische Brücke zwischen den Kulturen.
Carmen Tolle, Einwohnerin von Kammerforst, die ihre Anliegerwohnung Padre Jucimario zur Verfügung stellte.
Barbara Specht, Ortsausschussvorsitzende in Höhr-Grenzhausen, die die Eine-Welt-Gruppe tatkräftig unterstützte: vorbereiten, organisieren, aufräumen – oft im Hintergrund, immer mit voller Energie. Zudem begeisterte sie mit einer eindrucksvollen Führung durch die Kapelle Grenzau.
Ein besonderer Dank gilt Pfarrer Much, der die Partnerschaft mit Periperi über viele Jahre hinweg engagiert begleitet hat. Er war mehrfach selbst in Periperi, hat die Menschen und Projekte vor Ort kennengelernt und die gewachsene Freundschaft stets mitgetragen. Auch bei diesem Besuch war er nicht nur im Gottesdienst präsent, sondern feierte anschließend ganz selbstverständlich mit – als jemand, der diese Partnerschaft von Anfang an als gelebte Beziehung verstanden hat.
Allen Gemeindemitgliedern, die die Eine-Welt-Gruppe bei Auf- und Abbau-Arbeiten, mit Beiträgen zum Buffet, Fahrdiensten, und und und… unterstützt und den Gottesdienst am 29. Juni zu einem besonderen Erlebnis gemacht haben.
Der internationalen Adhoc-Band:
Benedito und Carlinhos (Brasilien), die ansonsten mit ihrem Stimmen die Gottesdienste in Periperi prägen - Gesang
Eddy Dekker (Niederlande), Jazz-Schlagzeuger - Percussion
Johannes Vogel (Deutschland), normalerweise „invasives Element“ im Mandolinorchester Sessenbach - Gitarre
João Mistro (Brasilien), Berufsmusiker in Salvador, Multi-Instrumentalist, Komponist und Arrangeur - Akkordeon
Mehr als ein Besuch
Dieser Sommer hat gezeigt, was diese Partnerschaft ausmacht: Nähe trotz Entfernung, Vertrauen über Jahre hinweg und die Fähigkeit, gemeinsam zu feiern – selbst dann, wenn nicht alles perfekt läuft. Vielleicht gerade dann.
Periperi war in diesen Tagen nicht weit weg. Es war hier. Und genau das bleibt.
Fortsetzung folgt – im Jahresrückblick 2025, Teil 2.